Verlauf und Ergebnisse der Erforschung des Sowjetischen Ehrenfriedhofs in Düsseldorf-Ludenberg und nachfolgende Recherchen
Leitung des Schulprojekts: StD i.K. Bodo Schmidt, Studienrätin Hildegund Schmidt
Zeittafel
| 23.10.1940 | Bauanzeige des Heeresbauamtes an den Regierungspräsidenten zwecks beschleunigter Fertigstellung eines Krankenreviers für Kriegsgefangene in den bei Kriegsbeginn stillgelegten Barackenbauten auf dem Standortübungsplatz Düsseldorf an der Bergischen Landstraße |
| 07.11.1940 | Genehmigung des Bauvorhabens durch den Regierungspräsidenten in der Annahme, „dass die Baracken nach dem Krieg wieder entfernt werden.“ |
| 30.01.1941 | Fertigstellung des Krankenreviers; das Gelände mit den Baracken wurde mit einer Einfriedung aus Stacheldraht umgeben und an den vier Eckpunkten mit Wachttürmen ausgestattet; außerhalb dieses Geländes lagen drei Baracken für die Wachmannschaften; Belegung zunächst mit französischen Kriegsgefangenen |
| 24.11.1941 | Nach Beginn des deutschen Angriffs auf die UdSSR am 22. 06. 1941 erste Dokumentation über den Tod eines sowjetischen Kriegsgefangenen im Lazarett; Beerdigung auf dem Waldfriedhof in Düsseldorf-Gerresheim: Konanenco, Felix, Soldat, 23 Jahre. Bis 1943 wurden 493 weitere dort verstorbene sowjetische Kriegsgefangene auf dem Gerresheimer Waldfriedhof beerdigt. Als Todesursachen wurden u.a. „allgemeiner Körperverfall“, “Herzschwäche“, „Kreislaufschwäche“, „Wassersucht“, „Tuberkulose“, „Lungenentzündung“ angegeben. |
| 19.09.1942 | Klage der Verwaltung des Friedhofs Gerresheim über drohenden Platzmangel wegen immer zahlreicher werdender Todesfälle im Kriegsgefangenenlazarett; Vorschlag, die Toten enger nebeneinander zu beerdigen |
| 29.04.1943 | Letzte Dokumentation eines im Kriegsgefangenenlazarett verstorbenen und in Gerresheim begrabenen sowjetischen Kriegsgefangenen: Lysatschenko, Nikita, Soldat, 38 Jahre; dann Beisetzung der danach verstorbenen Kriegsgefangenen in der Nähe des Lazaretts in Düsseldorf-Ludenberg. |
| 27.03.1944 | Tod zweier sowjetischer Kriegsgefangener des Stammlagers Krefeld-Fichtenhain, Viktor Bytschenko und Wladimir Bezruk, während ihres Arbeitseinsatzes in einem Düsseldorfer Betrieb durch Verwechslung von Chemikalien mit Lebensmitteln; sie wurden – ebenso wie der später am 2. 6. 1944 auf der Flucht von der Wachmannschaft erschossene Semen Duda – vom Kriegsgefangenenlazarett aus beerdigt. |
| 26.05.1944 | Besichtigung des Kriegsgefangenenlazaretts durch eine Delegation des Internationalen Roten Kreuzes zwecks Information des „War Department“ der USA. Das zum Stammlager VI J Krefeld-Fichtenhain gehörige und von einem deutschen Stabsarzt geleitete Lazarett war zu diesem Zeitpunkt mit 1.600 Patienten verschiedener Nationalität belegt; namentlich aufgeführt wurden allerdings nur drei Briten und zwei Amerikaner, die in einem der besten Räume untergebracht waren und keine Klagen über ihre Behandlung äußerten. Französische Kriegsgefangene dienten als Ärzte und Vertrauensleute. |
| 27.07.1944 | Weiterer Besuch des Lazaretts durch eine Delegation des Internationalen Roten Kreuzes mit detailliertem Bericht an das „War Department der USA“. Danach handelte es sich um eines der größten Lazarette, in dem jährlich auch rund einhundert Patienten aus abgeschossenen Flugzeugbesatzungen behandelt wurden. Die von der Delegation vorgefundenen medizinischen, sanitären und sonstigen Einrichtungen werden als positiv, die Versorgung mit Medikamenten und besonders mit Nahrungsmitteln dagegen als negativ beurteilt. Insgesamt wird die Einrichtung jedoch als „gutes Lazarett“ bezeichnet. |
| 21.11.1944 | Der Kanadier Kenneth Wilson wird nach dem Absturz seines Flugzeugs in Trills ins Lazarett eingeliefert und verstirbt dort noch am gleichen Tag. |
| 23.01.1945 | Der amerikanische Bomberpilot einer B17, Federico Gonzales, wird bei einem Angriff auf Neuss abgeschossen und verbringt als einziger Überlebender der zehnköpfigen Flugzeugbesatzung die Zeit bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen am 17. April 1945 im Kriegsgefangenenlazarett. |
| 22.03.1945 | U.S. Aufklärungsfoto des Kriegsgefangenenlazaretts aus 10.000 m Höhe; Regierungspräsident Dr. Fritz Behrens gestattet den Teilnehmern des Schulprojekts eine Kopie. Die roten Kreuze auf den Baracken machen es deutlich als Lazarett kenntlich, die Abkürzung P.O.W (prisoners of war) in Großbuchstaben sagt eindeutig, dass es für Kriegsgefangene bestimmt war; in der Nähe des Lazarettgeländes Hinweis auf frisch ausgehobene Gräber; auch Trichter von Bombeneinschlägen sind zu erkennen. Im Verlaufe der Kampfhandlungen sollen sämtliche Unterlagen des Lazaretts an einen anderen Ort gebracht worden sein. |
| 17.04.1945 | Einmarsch der Amerikaner nach Düsseldorf von Hilden aus; Einnahme des Kriegsgefangenenlazaretts; zwei Zeitzeugen, Insassen des Lazaretts, erlebten dieses Ereignis und legten es schriftlich nieder (einsehbar in unserer Broschüre). |
| 21.04.1945 | Tod eines siebzehnjährigen polnischen Schülers, Tadeusz Jaroschynski, geb. 30.09.1927; Beerdigung auf dem Lazarettfriedhof |
| Mai 1945 | Errichtung eines Gedenksteins (Findling) in der Mitte des Friedhofs für rund 1500 anonym begrabene sowjetische Kriegsgefangene durch Kameraden; vermutlich veranlasst durch die russische Militärmission bei der englischen Militärregierung in Ostwestfalen. Die Begräbnisstätte erscheint in späteren städtischen Dokumenten als „Massengrab“. |
| 29.05.1945 | Tod des Jugoslawen Rada Iwanow; Beisetzung auf dem Lazarettfriedhof |
| 12.06.1945 | Übergabe der Besatzungsmacht durch die Amerikaner (302 U.S. Inf. Regt. und 22 U.S. Corps) an die Briten, die nun für die Verwaltung des Kriegsgefangenenlazaretts zuständig wurden. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nach dem Kriegstagebuch der britischen Einheit („Royal Welch Fusiliers“) ungefähr 300 „displaced persons“ in den Baracken an der Bergischen Landstraße, die im Laufe der folgenden Monate entweder repatriiert oder anderswo untergebracht wurden. |
| Mitte 1945 | Verlegung der überlebenden sowjetischen Kriegsgefangenen in die Kaserne in Düsseldorf-Hubbelrath |
| 16. 09.1945 | Verlegung eines Lazaretts für deutsche Kriegsgefangene aus dem Raum Mönchengladbach in das von einer französischen Einheit verlassene „Ausländerlager-Hospital“ Gerresheim |
| 20.09.1945 | Bitte des Stabsarztes an das Besatzungsamt um Entwesung des Lagers; er fordert Rattengift, Öfen und Heizmaterial für den nahenden Winter. |
| Anfang 1946 | Nach Entlassung der deutschen Kriegsgefangenen wurden die Baracken aus Stein als soziale Einrichtung (Altersheim) von der Stadt Düsseldorf genutzt. Die einfacheren Baracken aus Holz, in dem die sowjetischen Kriegsgefangenen untergebracht waren, wurden abgerissen und als Heizmaterial verwendet. Zeitzeuge Paul Mausolf war Insasse des deutschen Lazaretts und arbeitete bis Ende der 70er Jahre in der Verwaltung der städtischen Sozialstation. Er lieferte genaue Beschreibungen des Lazaretts und seiner Umgebung von 1945 und den Nachkriegsjahren. |
| 16.07.1948 | Erstmalige gärtnerische Instandsetzung des stark verwilderten „Russenfriedhofs des ehemaligen Kriegsgefangenenlazaretts an der Mettmanner Chaussee (Gallberg)“: Entfernung von 450 m² Dauerunkraut, Mähen und Umgraben der Fläche etc.; Bepflanzung der beiden vorhandenen Einzelgräber, Richten der Hecke etc. Übernahme der Kosten von 1012,50 RM durch das Wohlfahrtsamt |
19.12.1949 | Übergabe des Friedhofs an die Stadt Düsseldorf durch die Britischen Besatzungsbehörden in Anwesenheit der Vertreter der sowjetischen Repatriierungsorgane mit der Verpflichtung seiner Unterhaltung nach Artikel 4 der Genfer Konvention; Feststellung, dass der Friedhof in befriedigendem Zustand ist, jedoch Forderung nach Errichtung eines Drahtzaunes und Einteilung in Gräberbänder; als Anlage zu dem viersprachigen Übergabedokument eine Erklärung von deutscher Seite, dass keine Namenslisten der Toten vorhanden seien, da sie von den Russen selbst beerdigt wurden und dass bei verschiedenen Stellen erfolglos nach den Listen geforscht worden sei. |
| 1950 | Durchführung der geforderten Nachbesserungsmaßnahmen |
| 1963 | Umgestaltung des Ehrenfriedhofs gemäß Erlass des Innenministers vom 22.11.1962: Einfriedung mit einer Natursteinmauer, Errichtung eines zusätzlichen Gedenksteins (Andreaskreuz) in der Mitte des Friedhofs und Verlegung des Findlings an den Eingang; Aufstellen eines Hinweisschildes an der Bergischen Landstraße: „Russischer Ehrenfriedhof“ |
| August 1984 | Offizielle Übernahme einer Pflegepatenschaft für den Ehrenfriedhof durch eine Jugendgruppe der SDAJ Gerresheim |
| November 1985 | Kündigung des Patenschaftsvertrages durch die Verwaltung der Stadt Düsseldorf mit der Begründung der Gleichbehandlung aller Ehrengrabstätten |
| Fronleichnam 1988 | Ökumenischer Friedensgang zum Ehrenfriedhof; Gottesdienst in der Anwesenheit des orthodoxen Bischofs Longin, der zum Gedenken an die in deutscher Erde ruhenden russischen Menschen aufrief. |
| 27.06.1989 | Vorschlag des Regierungspräsidenten Düsseldorf, Dr. Fritz Behrens, die Geschichte des in der Bevölkerung so gut wie unbekannten Friedhofes im Rahmen eines Schulprojektes zu erforschen |
| 13.11.1991 | Einweihung einer durch die Teilnehmer des Schulprojekts erarbeiteten Legendentafel auf dem Ehrenfriedhof |
| 15.06. – 13.09.1992 | „Ein Stein kommt ins Rollen“ – Ausstellung der Ergebnisse des Schulprojektes in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf; weitere Ausstellungen in Düsseldorfer Schulen Es wird auch ein Modell des Lazarettgeländes angefertigt, das in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf seinen Platz findet und lange Zeit jungen, aber auch erwachsenen Menschen veranschaulicht, wie dieser Stadtbereich in Kriegszeiten ausgesehen hat. Das Modell wurde in der Abteilung Architektur der FH Düsseldorf, Leiter Prof. Dr. Kuff, angefertigt. |
| 7.10.1992 | Besuch von Dr. Fritz Behrens und Gespräch mit den Projektteilnehmern |
| 7. – 28.1.1994 | Unter der Schirmherrschaft der Bezirksvertretung 7, Düsseldorf-Gerresheim, Ausstellungen und weitere Veranstaltungen zum Thema „Deutsche und russische Gefangene in den Lagern des Zweiten Weltkrieges“; Ausstellung von „Ein Stein kommt ins Rollen“ in der Deutschen Bank in Düsseldorf-Gerresheim |
| März 1995 | Der Stein rollt weiter: Eine Frau aus Kiew findet in den veröffentlichten Listen den Namen ihres Vaters wieder, der in den Krieg zog, als sie fünf Jahre alt war. Nun weiß sie, wo er begraben ist. Die Ausstellung wird um dieses erfreuliche Ergebnis erweitert und anlässlich des Besuchs seiner Partnerschule aus Königsberg (Kaliningrad) zuerst im Heinrich-Heine-Gymnasium in Mettmann gezeigt. |
| 2003 | Auf dem Sowjetstern des Findlings am Eingang des Friedhofs wurde ein Foto in runder Umrahmung angebracht. Wer es angebracht hat und wen es darstellt, ist noch nicht herausgefunden worden. |
| 2005 | Das Foto wurde von Unbekannten herausgebrochen und bei dieser Aktion der Sowjetstern stark beschädigt. Der Schaden wurde der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf zur Kenntnis gebracht und eine Reparatur beantragt. |
| 20.11.2011 | Einweihung der neuen berichtigten Gedenktafel neben dem Zugangsweg zum Sowjetischen Ehrenfriedhof; Teilnehmer der Gedenkveranstaltung ist auch der Bischof der russisch-orthodoxen Kirche Longin. Der nun auch ins Russische übersetzte Legendentext findet seine Zustimmung. Die Übersetzung war für Besucher aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion gemacht worden. Abgelegte Blumensträuße, Fotos und andere Erinnerungsstücke auf dem Friedhofsgelände sprechen eine deutliche Sprache und weisen darauf hin, dass es immer noch Menschen gibt, die nach der Begräbnisstätte ihrer Angehörigen suchen und dankbar dafür sind, wenn sie an die Stelle treten können, wo diese ihre letzte Ruhe gefunden haben. |
| 2012 | Die weitreichenden Reformprogramme Gorbatschows „Glasnost und Perestroika“ (Offenheit und Umgestaltung) hatten den Datenaustausch zwischen russischen und deutschen Archiven ermöglicht. Wir brachten in Erfahrung, dass alle bisher für verschollen gehaltenen Dokumente des Kriegsgefangenenlazaretts in Düsseldorf-Ludenberg nun in einer Dresdener Stiftung zur Verfügung standen und eingesehen werden konnten. Wir zögerten nicht lange und bekamen zügig alle Unterlagen mit Daten jedes einzelnen Kriegsgefangenen zugeschickt. Das waren Karteikarten mit Namen (lateinische und kyrillische Schreibung) Geburtsdatum, Geburtsort, Name der Eltern, Sterbedatum, Sterbeort, durchlaufene Lager und sogar Passbildern. Dieses Ergebnis haben wir durch Herausgabe einer Broschüre 2012 veröffentlicht. In dieser Broschüre sind alle Recherchen, die zu diesen Ergebnissen geführt haben, ausführlich dargestellt. Autoren: StD i.K. Bodo Schmidt, Studienrätin Hildegund Schmidt, Historikerin Carolin Schmidt Herausgeber war der Bürger- und Heimatverein Gerresheim |
| Juli 2025 | Die Liste der auf dem Sowjetischen Ehrenfeld an der Blanckertzstraße in Düsseldorf-Ludenberg bestatteten Kriegsgefangenen kann auf der Internetseite des Bürger- und Heimatvereins Gerresheim in lateinischer und kyrillischer Schrift eingesehen werden: Tabelle im PDF-Format |

Der Bürger- und Heimatverein erinnert regelmäßig im November bei einer Gedenkveranstaltung auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof an die Opfer von Krieg und Gewalt: https://bhv-gerresheim.de/veranstaltungen/gedenkveranstaltung-auf-dem-sowjetischen-ehrenfriedhof
Für inhaltliche Nachfragen ist Bodo Schmidt per Email erreichbar unter der Adresse bga-schmidt@outlook.de .

